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Heute ist es einfach: Wenn Sie bei einem Arzt oder Chiropraktor Hilfe suchen, dürfen Sie darauf zählen, dass Ihre Krankenkasse dafür aufkommt. Haben Arzt oder Chiropraktor eine Praxiserlaubnis, heisst das für die Krankenkassen, dass sie die Behandlungskosten übernehmen.
So einfach und sinnvoll wird es in Zukunft nicht mehr sein, wenn es nach dem Willen der planenden Behörden geht: Unter dem trügerischern Namen «Vertragsfreiheit – Aufhebung des Kontrahierungszwanges» versuchen Bundesrat und -verwaltung, Bewährtes zu ersetzen. Doch von der geplanten neuen Regel weiss man schon lange, dass sie nicht funktioniert.
Geht es nach dem Willen des Bundesrates, sollen in Zukunft die Krankenkassen wählen dürfen, welche Ärzte und Chiropraktoren sie in Zukunft bezahlen. Was bedeutet das...
... für die Patienten?
Die Patienten werden vielleicht damit überrascht, dass ihr Hausarzt keinen Vertrag mehr mit seiner Krankenkasse erhält. Oder vielleicht kriegt der Hausarzt noch einen, aber die Frauenärztin nicht und der Chiropraktor auch nicht. Weil der Patient sich nicht in drei Krankenkassen versichern kann, wird er auf seine vertrauten Ärzte verzichten oder eine Krankenkasse suchen müssen, die alle gewünschten Ärzte unter Vertrag hat. Wenn er eine passende Lösung findet, darf er sich schon auf den nächsten Wechsel gefasst machen, denn die Verträge laufen nur ein paar Jahre.
... für die Krankenkassen?
Die Krankenkassen beklagen heute schon einen zu regen und kostspieligen Wechsel der Versicherten. Das wird noch schlimmer, und damit werden die Verwaltungskosten noch höher. Denn jeder Wechsel kostet. Alle Kassen müssen mit etwa 30 000 (!) Ärzten, Chiropraktoren, Zahnärzten, Physiotherapeuten, Hebammen einzeln Tarife aushandeln und Verträge abschliessen. Ein irrsinniger Aufwand, der viel Geld kostet.
... für die Chiropraktoren und Ärzte?
Etwa 60 Krankenkassen versichern rund 90 Prozent der Patienten. Also werden die meisten Ärzte und Chiropraktoren Verträge mit mindestens 60 Krankenkassen abschliessen müssen. Alle paar Jahre wird neu verhandelt. Vor willkürlicher Behandlung durch allmächtige Krankenkassen gibt es keinen Schutz. Die Verwaltungsarbeit, Vertragsverhandlungen und Formulararbeiten für Chiropraktoren und Ärzte wird um ein Mehrfaches grösser. Es ist nahe liegend, dass sich Ärzte und Chiropraktoren ihren Vertragspartnern, den Krankenkassen, verpflichtet fühlen und nicht mehr den Patienten, denn es droht ihnen jederzeit der Verlust ihres Krankenkassenvertrages und damit der Verlust ihrer Existenzgrundlage. Das ist eine verheerende Entwicklung.
Ist dieses System übers Ganze günstiger? Nein. Was nützt es? Nichts. Was bringt es? Ein heilloses Chaos. Wir alle werden einen aufgeblähten Verwaltungsapparat bezahlen müssen, ohne den es bis heute gut gegangen ist. Diesen Moloch müssen wir stoppen, bevor er seinen Kopf zu hoch hält – und bevor die Patienten noch mehr unter die Räder geraten!
Von Dr. Daniel Mühlemann, Präsident ChiroSuisse zurück
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