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Es gibt Länder, in denen man weder einen Arzt suchen noch sich um einen Platz im Operationssaal oder um ein Spitalbett bewerben möchte.
Ich denke dabei nicht an exotische Staaten, in denen es an allen Ecken und Enden an allem fehlt, sondern an im Grunde genommen wohlhabende Gesellschaften. Das Vertrauen in die Medizin ist dahin, der Arzt ist vor allem überlastet und hat keine Zeit, und wenn man sich operieren lassen muss, kann man seinen Namen monatelang auf einer Warteliste betrachten. Es sei denn, man habe genügend Geld, um sich in einer Privatklinik erstklassig behandeln und umsorgen zu lassen. In anderen Worten: Das Gesundheitssystem ist nahezu zugrunde gerichtet. Ohne Not, nur um des Sparens willen und manchmal wider besseres Wissen.
Was geht uns in der Schweiz diese Misere an? Wir haben doch ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem!
Wir segeln immer deutlicher in die gleiche Richtung. Sie kennen die längst überholte Sorte von stereotypem Bilderwitz, in dem eine Gruppe Professoren über den erschreckten Patienten hinweg diskutiert und ihn keines Blickes würdigt. In der Ärzteschaft findet man dieses Verhalten kaum mehr; Behörden und Politik jedoch haben diese Rolle mit viel Talent übernommen. Sie diskutieren und reden und debattieren und vergessen dabei, dass es um den Menschen geht, um den Patienten. Oder haben Sie etwa in den letzten Jahren in den Diskussionen um das Gesundheitswesen gehört, dass man sich in der Politik um den kranken Menschen Sorge macht...? Ausser in der Radioansprache am «Tag der Kranken»?
Ein Beispiel für die verfahrene Situation sind das Moratorium für neue Praxen und die geplante Abschaffung des Kontrahierungszwanges: Es dürfen keine neuen Praxen mehr eröffnet werden, und die Krankenkassen sollen in Zukunft entscheiden dürfen, mit wem sie zusammenarbeiten wollen. Das führt dazu, dass es für begabte junge Menschen kaum mehr Sinn macht, Chiropraktor zu werden. Man muss sie begreifen: Weshalb sollten sie viel Geld für ein teures Auslandstudium ausgeben und manches Jahr in die Ausbildung stecken, wenn sie nachher nicht in ihrem Beruf arbeiten dürfen?
Das gilt nicht nur für Chiropraktoren, sondern auch für die anderen Berufe im Gesundheitswesen, für Spitäler und was man sonst noch braucht, um gesund zu bleiben oder zu werden. Weshalb investieren, wenn das anschliessende Wirken behindert oder verhindert wird?
Schon heute ist absehbar, dass in zehn Jahren Ärztemangel herrscht. Auch unser Land könnte ein Land werden, in man weder einen Arzt suchen noch sich um einen Platz in einem Spital bewerben möchte. Wir müssen jetzt Acht geben, wohin wir steuern: Eine Mehrklassenmedizin, in der das Portemonnaie übers Gesundwerden entscheidet, Medizinermangel, Wartelisten in Spitälern, ganze Landstriche ohne Praxen und ungünstige Abhängigkeiten von Krankenkassen sind nicht das, was wir uns wünschen.
Man sollte wieder beginnen langfristiger zu planen, die Folgen der heutigen Entscheide abzuschätzen. Man sollte sich wieder auf den Kern der Sache zu konzentrieren – und häufiger an die Patienten denken.
Von Dr. Daniel Mühlemann, Präsident der Schweizerischen Chiropraktoren-Gesellschaft SCG zurück
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