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Patienten ohne Verantwortung?

Wer heute will, kann sich einem sogenannten «Hausarztmodell» anschliessen: Man bestimmt einen Hausarzt, der behandelt und entscheiden wird, ob man einen Spezialisten aufsuchen darf. Von über sieben Millionen Versicherten in der Schweiz haben 400 000 diese Lösung gewählt.

Einigen Politikern ist das zu wenig: Das Hausarztsystem soll flächendeckender Zwang werden. Alle Versicherten müssen sich einen Hausarzt aussuchen, der den Verlauf der Behandlung festlegt und der immer zuerst zu konsultieren ist.

Das soll die Koordination unter den Ärzten fördern, die Behandlungsqualität verbessern, Mehrfachabklärungen vermeiden und – wieder einmal! – Kosten sparen. Sagen die Mütter und Väter dieser Idee.

Mir scheint, dass man einmal mehr vor lauter Zahlen und Statistiken vergisst, dass es in der Medizin um Menschen geht.

Argumente durchleuchtet

Schauen wir uns die Argumente näher an.

Zur «besseren Koordination»: Oft wissen Patienten genau, wen sie konsultieren müssen. Bei Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates und besonders des Rückens wählen sie ihren Ansprechpartner sehr treffsicher. Die meisten Patienten, die Chiropraktoren konsultieren, haben chiropraktisch lösbare Beschwerden. Chiropraktoren erkennen kompetent und sicher, was sie nicht selbst behandeln können und welcher Spezialist allenfalls gefragt ist.

Zur «besseren Behandlungsqualität»: Die richtige Diagnose und die wirksame Behandlung hängen nicht vom Hausarztsystem ab, sondern von Ausbildung und Erfahrung des behandelnden Arztes und Chiropraktors.

Zum «Vermeiden von Mehrfachabklärungen»: Es gehört sich nicht, das Verhalten von wenigen als Grund für einschränkende Massnahme zu missbrauchen – Patienten, die zahlreiche Ärzte aufsuchen und Behandlungen verschweigen, sind eine kleine Minderheit. Die überwiegende Mehrzahl handelt verantwortungsvoll.

Zur «Kostenreduktion»: Die Resultate von Studien zur Kostenersparnis solcher Modelle sind oft widersprüchlich. Der erschwerte Zugang zu Spezialisten und die verzögerte gezielte Behandlung können auch zu höheren Kosten führen. Sorge bereit zudem, dass im vorgeschlagenen Modell die behandelnden Ärzte die «Budgetverantwortung» für ihre Patienten übernehmen. Wer legt die Kostengrenzen für die Behandlung fest? Darf ein Mann mehr kosten als eine Frau? Ein Erwachsener mehr als ein Kind? Ein Betagter weniger als ein Erwerbstätiger? Die Verantwortung für solche Entscheide möchte ich nicht tragen – trotz Fonds für Hochrisikofälle, Ombudsstelle und anderen administrativen Gräueln. Macht Ihnen als Patient das alles keine Angst?

Sonderfall Chiropraktik

Es besteht eine grosse Nachfrage nach Chiropraktik, und die Behandlungserfolge sind belegt. Weil die Studiengänge für Ärzte und Chiropraktoren verschieden sind, kommen angehende Mediziner kaum in Kontakt mit dem Fachgebiet Chiropraktik. Das führt dazu, dass Ärzte oft wenig vom umfassenden Behandlungspotenzial der Chiropraktik wissen. Deshalb ist die patientengerechte Überweisungspraxis nicht gesichert, und das Hausarztmodell würde den direkten Zugang zur Chiropraktik unmöglich machen. Anfang der sechziger Jahre aber haben 400 000 Patienten mit einer Petition erreicht, dass die Chiropraktik für alle Patienten frei zugänglich ist. Das ist zu respektieren!

Wir wollen das Thema Hausarztmodell nicht schlecht machen. Aber so, wie es zur Debatte steht, richtet es sich gegen Sie, die Patienten. Es nimmt Ihnen Ihre Selbstbestimmung und Eigenverantwortung weg: Wollen Sie das?

Mai 2002

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RICE
Die Formel der Massnahmen, die sich bei Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen, Verrenkungen, Schwellungen, Blutergüssen und Quetschungen anwenden lassen. Kälte

(aus dem Rückenlexikon)