Die nächsten drei Jahre dürfen Chiropraktoren und Ärzte keine neuen Praxen eröffnen. Jede neue Praxis kostet zuviel, meinen das eidgenössische Departement des Inneren und mit ihm der Bundesrat. Ausnahmen gibt's nur im Ausnahmefall, heisst es. Weil aber der Amtsschimmel im Allgemeinen Ausnahmen scheut und den Buchstaben des Gesetzes vor oft sinnvollere Lösungen stellt, werden es Ausnahmen schwer haben.
Dass sich der Bundesrat entschlossen hat, das «Moratorium» gerade jetzt einführen, ist nicht im Interesse der Patienten, und obendrein liegen die Karten nicht ganz offen.
Weil die Grenzen mit dem Freizügigkeitsabkommen offener werden, dürfen jetzt Ärzte aus EU-Ländern in der Schweiz ihre Praxen eröffnen. Die Aussicht auf eine ausländische Ärzteschwemme hat Bundesrat und Krankenkassen einen gehörigen Schrecken eingejagt. Also wird allen verboten, eine Praxis zu eröffnen! Dass das vor allem die Schweizer trifft, scheint den Verantwortlichen unwesentlich. Und dass das Freizügigkeitsabkommen hinter diesem Moratorium steht, scheinen alle vergessen zu haben.
Junge Leute haben ab sofort kein Interesse mehr daran, ärztliche Berufe zu ergreifen. Das wird zu einem Ärztemangel führen und vor allem die Schwächsten treffen. Medizinische Leistungen werden Mangelware, die Preise werden steigen. Niemand wird im Ernst behaupten, das erklärte Ziel der Kostenreduktion könne langfristig so erreicht werden.
Mit dem bundesrätlichen Entscheid sind Abermillionen an privaten und öffentlichen Ausbildungsgeldern vernichtet und berufliche Perspektiven zerstört. Was sollen die Chiropraktoren und Ärzte tun, die vor dem Abschluss ihrer Ausbildung stehen? Soll die Arbeitslosenversicherung für diese voll ausgebildeten und qualifizierten Berufsleute aufkommen? Sollen sie sich andere Jobs suchen, ihre wertvollen Kenntnisse verlieren oder ihre teure Ausbildung ganz vergessen?
Bundesrat schlägt Chiropraktik
Besonders hart trifft das Moratorium die Chiropraktik. Begabte und interessierte junge zukünftige Chiropraktoren werden die hohen Kosten des Auslandstudiums nicht mehr riskieren. Assistenzstellen werden keine mehr angeboten, und in Spitäler können junge Chiropraktoren nicht ausweichen – der Bundesrat hindert sie an der Ausübung ihres Berufes, dessen Leistungen stark gefragt werden.
Weil die Chiropraktoren den nachgewiesenen Bedarf schon heute nicht abdecken können, erschwert und verwehrt der Bundesrat der Bevölkerung den Zugang zu einer wirksamen und kostengünstigen medizinischen Therapie. Eine neue Chiropraktoren-Praxis verursacht dem Gesundheitswesen nur geringe Mehrkosten. Jährlich eröffnen nur einige wenige Chiropraktoren eine Praxis – die Kosten werden durch den hohen Nutzen mehr als wettgemacht. Erwiesen sind kürzere Arbeitsunfähigkeiten, Kosteneffizienz und die hohe Patientenzufriedenheit.
Die Hoffnungen der Patienten liegen jetzt bei den Kantonsregierungen. Sie allein können das drohende Debakel abwenden. Weil sie näher beim Bürger sind, werden sie erkennen, dass zahlreiche Regionen chiropraktisch unterversorgt sind. Dort sind Ausnahmeregelungen für Chiropraktoren gerechtfertigt und nötig. Es darf doch nicht sein, dass man wochenlang auf chiropraktische Hilfe warten oder weit reisen muss, um in eine Praxis zu gelangen. Und es ist unhaltbar, wenn kranke und ältere Menschen die Mühsal von Reisen auf sich nehmen, wenn Erwerbstätige und die Wirtschaft unnötigen Arbeitszeitverlust finanzieren müssen. Wollen wir in der Schweiz die Fehler der Planwirtschaft wiederholen?
Wir hoffen auf den gesunden Menschenverstand der Regierungsräte und vertrauen der Überzeugungskraft der Patientenorganisation Pro Chiropraktik!
August 2002 zurück
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