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Ein neuer Schildbürgerstreich

Das Gesundheitswesen dient seit neuestem zur Erprobung von Schildbürgerstreichen aller Art. Obwohl wir das schon lange wissen, erstaunt einen die neueste Idee doch gewaltig.

Im Osten sind die Diktat- und Planwirtschaften in Trümmer zusammengebrochen. Westeuropäische Länder kämpfen verzweifelt mit ihrer regulierten verstaatlichten Medizin und ringen um die Qualität ihrer ärztlichen Versorgung. Bei uns Eidgenossen aber kommt man auf den Gedanken, Planwirtschaften einzuführen, die andere mittlerweile ins Pfefferland wünschen!

Was soll's denn diesmal sein? Ein Dreijahres-Moratorium für Jungärzte haben gewisse Politiker sich ausgedacht: Drei Jahre lang sollen keine neuen Praxen mehr eröffnet werden.

Wozu soll das dienen? Die Kosten dürften nicht weiter explodieren, meint man in den Bundesämtern. Aber: Explodieren die Kosten weniger, wenn Ärzte drei Jahre lang keine Praxis eröffnen und danach gemeinsam auf den Markt stürmen?

So wenig wie einem diese Frage beantwortet wird, so wenig weiss man die Antwort auf eine ganze Reihe anderer Fragen. Zum Beispiel ist – selbstverständlich! – noch immer unklar, wie die Einschränkung vonstatten gehen soll. Jeder Kanton werde seine eigene Lösung finden, heisst es...

Das Moratorium für Arztpraxen ist ein weiterer Schritt in Richtung der alle bevormundenden Staatsmacht. Nichts gegen einen starken Staat, aber er soll die Angelegenheiten regulieren, die er wirklich regulieren muss.

Das Moratorium für Arztpraxen widerspricht der Handels- und Gewerbefreiheit und hindert Private an Investitionen, um die man in ein paar Jahren froh wäre.

Das Moratoirum für Arztpraxen bringt nur der Bürokratie einen Nutzen: Es wird einen Überwachungsapparat mehr geben.

Das Moratorium für Arztpraxen schadet am Ende den Patienten.

Die Probleme, die heute drücken, hat man schon vor langer Zeit kommen sehen. Ein Numerus Clausus für Medizinstudenten wäre die Lösung gewesen. Aber nein – dagegen haben sich einige mit Händen und Füssen gewehrt. Und heute sollen die jungen Ärzte und Chiropraktoren die damaligen Versäumnisse und die Fehler der KVG-Macher ausbaden. Das ist unzumutbar.

Es ist abzusehen, was geschieht: Die Oberärzte bleiben in den Spitälern, weil sie keine Praxen eröffnen dürfen. Die Assistenten bleiben Assistenten, weil sie nicht Oberärzte werden. Somit haben die nachrückenden Jungärzte keinen Platz mehr im Spital, und Ärzte müssen entlassen werden. Die Arbeitslosenkasse wird's schon richten – und wir alle bezahlen.

Für Chiropraktoren wäre diese Beschränkung besonders hart. Sie können keine aufgezwungene Wartezeit im Spital abarbeiten und bringen ein Sonderopfer. Kommt dazu, dass sie ihre Ausbildung im Ausland absolviert und somit weitgehend selbst bezahlt haben.

Für Abermillionen werden Studenten ausgebildet. Wofür? sie nach sechs Jahren umzuschulen? Man darf davon ausgehen, dass junge Menschen heute nicht Arzt werden, «um reich zu werden». Sie wählen ihren Beruf, weil sie eine humanitäre Ader und sogar ein gewisses «feu sacré» haben. Das zerstört man ihnen, indem man Ihnen die Zukunft nimmt.

Wo man hinblickt, war staatliches Eingreifen ins Marktgeschehen ein Debakel. Dieses «Naturgesetz» werden einige Beamte nicht ändern können.

Es gibt Zeiten, in denen man Klartext reden muss: Was hier getan wird, heisst Schindluder treiben mit unserem ohnehin schon arg gebeutelten Gesundheitswesen und mit den hart verdienten Steuerfranken der Bürger!

Die Moratoriums-Idee ist abstrus. Sie bringt weder Patienten, noch Bürgern, Ärzten oder Chiropraktoren einen Nutzen. Ich rufe die Bundesverwaltung auf, diesen Gedanken fallen zu lassen. Es gibt genug andere Vorschläge; da man soll nicht den schlechtesten wählen!

November 2000

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Osteopathie
1. Bezeichnung für die Erkrankung von Knochen. 2. Vom Amerikaner A.T. Stills 1875 begründete Heilmethode. Die O. versucht durch die Behandlung des Bewegungsapparates die Durchblutung und die Funktion der Organe zu beeinflussen.

(aus dem Rückenlexikon)