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Sport: «Ein enges persönliches Verhältnis ist besonders wichtig.»

Dr. Erman Küçük (40) ist Chiropraktor in Basel. Er hat am Los Angeles College of Chiropractic studiert, 1989 abgeschlossen und vier Jahre in den USA gearbeitet – unter anderem in der Betreuung von Sportlern. Seit 1996 – nach der üblichen Assistenzzeit in der Schweiz und dem interkantonalen Staatsexamen – führt er eine eigene Praxis in Basel. Zu seinen Patienten gehören etliche Schweizer Sportgrössen – so auch der FCB-Captain und Nationalmannschaftsspieler Murat Yakin.

Herr Dr. Küçük, weshalb ist der FCB-Captain und Nationalmannschaftsspieler Murat Yakin Ihr Patient geworden?
Murat Yakin ist nach einem Unfall und zur allgemeinen Wirbelsäulenhygiene in meine Praxis gekommen.

Erklären Sie uns bitte den akuten Anlass.
Bei einem Schlag ist Murat Yakins Knie verdreht und verletzt worden. Weil die Beschwerden überdurchschnittlich lange angehalten haben, hat er meinen Rat gesucht.

Der Chiropraktor beschränkt sich also nicht wie oft angenommen auf die Behandlung von Beschwerden der Wirbelsäule?
«Einsatzgebiet» der Chiropraktik sind der gesamte Bewegungsapparat – also alle Gelenke, Muskeln und Bänder des Körpers – und seine Abstimmung. Ein Beispiel: Beschwerden des Knies können über «Schonmechanismen» für die Statik und die Dynamik der Wirbelsäule und des restlichen Bewegungsapparates Folgen haben.

Geben Sie uns bitte einen Einblick in Ihre Behandlung von Murat Yakins Verletzung.
Wie bei jedem anderen Patienten stehen vor der Behandlung die Aufnahme der Krankengeschichte und die präzise Diagnose. In diesem Fall habe ich nach dem Untersuch ein MRI erstellen lassen, um zu einem zweifelsfreien Schluss zu kommen und um weitere mögliche Verletzungen auszuschliessen. Bei Hochleistungssportlern ganz besonders wichtig ist das Management der Behandlung mit dem Patienten: Spitzensportler erleiden immer wieder Verletzungen und haben in der Regel ein ausgeprägtes Körpergefühl. Sie kennen ihre Regenerationszeit sehr gut und können sagen «Im Normalfall sollte ich jetzt schon wieder fit sein». Das hilft uns, wenn wir die einzelnen Schritte der Behandlung festlegen.

Murat Yakins Knie ist schon früher verletzt worden. Im Verlaufe der Behandlung – die so komplex ist wie das Kniegelenk selbst – habe ich Blockierungen lösen müssen, das Gelenk also mobilisiert und das Zusammenspiel mit der umliegenden Muskulatur mit Aktivierungstechniken optimiert. Gleichzeitig habe ich mit der chiropraktischen Behandlung eine Folge der Knieverletzung behoben, eine Dysbalance im Becken. Anschliessend hat die gesamte Wirbelsäule auf die korrigierte Beckenhaltung abgestimmt werden müssen.

Wie lange hat die Behandlung gedauert?
Nach zehn Tagen intensiver Behandlung ist Murat Yakin wieder beschwerdefrei auf dem Fussballfeld im Einsatz gewesen.

Können Sie Spitzensportler nach kürzerer Zeit als geheilt entlassen als «normale» Patienten?
In der Regel ja. Aber das hängt nicht nur damit zusammen, dass der Hochleistungssportler seines Trainingsaufwandes und seiner Kondition wegen schneller wieder auf den Beinen ist. Nicht übersehen darf man, dass der Körper des Spitzensportlers sein Kapital ist und dass verständlicherweise ein entsprechend hoher Aufwand für die Pflege dieses Kapitals betrieben wird.

Murat Yakin habe ich in diesem Fall täglich mindestens eine Stunde behandelt. Dazu sind die Behandlungen beim Masseur des FC Basel gekommen. Murat Yakins Rehabilitation ist natürlich mit dem FCB-Konditionstrainer Harry Körner abgestimmt worden. So haben sich die eigentliche Wiederherstellung des Knies und der Wiederaufbau der Kondition optimal verbinden lassen. Murat Yakin hat der Behandlung und Kräftigung seines Knies täglich fünf Stunden gewidmet – und das zehn Tage. Übrigens: Eine Verletzung und damit eine Abwesenheit von den Wettkämpfen soll man verwenden, um üblicherweise weniger beanspruchte Körperbereiche zu trainieren. So kann man auch aus dieser Zeit einen Nutzen ziehen.

Ihre Schilderung gibt uns den Eindruck einer sehr engen Zusammenarbeit.
Das persönliche Verhältnis zum Hochleistungssportler sollte sehr eng und gut sein. Nur so ist das «Einfühlen» in die besonderen Bedürfnisse des Sportler-Patienten möglich. Von Vorteil ist es, wenn der Chiropraktor selbst Sport treibt und aus eigenem Erleben sieht, was sich der Sportler wünscht.

Sie haben die Wirbelsäulenhygiene erwähnt. Sagen Sie uns mehr dazu.
Wirbelsäulenhygiene ist Prävention, Erhaltung und Optimierung der Funktionen der Wirbelsäule. Im Falle von Murat Yakin liegt der Schwerpunkt auf der Halswirbelsäule, die wegen der vielen Kopfbälle und Schläge besonders beansprucht wird und vermehrt mobilisiert werden muss. Die ganze Wirbelsäule wird in diese Behandlung mit eingeschlossen. Wirbelsäulenhygiene ist natürlich nicht auf Hochleistungssportler beschränkt – jedermann sollte sich damit beschäftigen.

Haben Sie sich in Ihrer Praxis auf bestimmte Sportarten konzentriert?
Nein. Es ist auch für den Patienten vorteilhafter, wenn ich mich mit mehreren Disziplinen beschäftige. So zählen zu meinen Patienten Sportlerinnen und Sportler aus den verschiedensten Sportarten: Tennis, Rad, Fussball, Golf, Leichtathletik, Kugelstossen und Diskuswerfen, Fechten, Reiten und einige mehr. Übrigens sehe ich in meiner Praxis auch viele Ex-Fussballer – im Praxisalltag sind die Spätfolgen sportlicher Aktivität recht bedeutend.

Haben Sie auch noch freie Termine für «Normalpatienten»?
Die meisten meiner Patienten sind keine Leistungssportler – und auch die Spitzensportler beanspruchen mich im Regelfall, wenn es um Prävention und Erhaltung der Leistungsfähigkeit geht, nicht länger als jeder andere. Zeitintensiv wird die Behandlung des Hochleistungssportlers erst, wenn akute Beschwerden, etwa nach Unfällen, behandelt werden müssen.

Hier finden Sie die Adresse Ihrer nächsten Chiropraktorin oder Ihres nächsten Chiropraktors.

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künstliche Gelenke
Ersatz von defekten Gelenken durch Prothesen, vor allem in Hüft-, Knie- und Schultergelenk. Im Wirbelsäulenbereich gibt es noch keine erprobten Lösungen. Patienten mit künstlichen Gelenken können ohne weiteres chiropraktisch behandelt werden.

(aus dem Rückenlexikon)